Ein bisschen Mut, ein bisschen Neugier – und mit der Zeit das Gefühl: Hier bin ich richtig. Nein, die Rede ist nicht nur von den neuen Kindergartenkinder, sondern auch von unseren Kindergarten-Achatschnecken.
Im Kindergarten Dorf unten waren die ersten Wochen geprägt vom Kennenlernen, Staunen, Ausprobieren und dem Finden des eigenen Platzes in der neuen Gruppe. In der dritten Kindergartenwoche bekamen wir dann ganz besondere Gäste: Unsere Achatschnecken Griggi und Mango zogen für vier Wochen bei uns ein.
Am Anfang war da vor allem eines: Staunen. Wie fühlt sich eine Schnecke an? Was machen ihre vier Fühler? Wo sind ihre Augen? Können Schnecken hören? Haben Schnecken Zähne? Und warum bewegt sie sich eigentlich so langsam? Mit grosser Neugier wurden die neuen Mitbewohner begrüsst. Nach und nach wurde aus dem Beobachten richtiges Forschen. Aus Fragen entstanden neue Fragen. Wir wollten gemeinsam herausfinden, was Schnecken fressen, wie sie sich fortbewegen, was sie brauchen, um glücklich zu sein und was sie alles können.
Dabei entdeckten wir, dass Schnecken zwar langsam unterwegs sind, aber keineswegs langweilig. Ganz im Gegenteil: Wer genau hinschaut, kann Erstaunliches entdecken. Und manchmal staunten wir auch darüber, dass unsere Schnecken offenbar ihren ganz eigenen Plan hatten – und nicht unbedingt den, den wir für sie vorgesehen hatten.
Mit der Zeit übernahmen die Kinder immer mehr Verantwortung. Futter bereitstellen, Wasser geben, das Terrarium pflegen und besonders vorsichtig mit den Tieren umgehen: Aus «Wir haben Schnecken» wurde «Wir kümmern uns um unsere Schnecken». Dabei erfuhren die Kinder ganz praktisch, dass ein Lebewesen Bedürfnisse hat und dass Fürsorge Aufmerksamkeit, Geduld und manchmal eben auch ein gutes Stück Schneckentempo braucht.
Vier Wochen lang gehörten die Schnecken zu unserem Kindergartenalltag. Sie wurden beobachtet, erforscht, versorgt und ins Herz geschlossen. Und währenddem die Kinder immer mehr im neuen Kindergartenjahr ankamen, durften auch unsere kleinen Gäste bei uns für eine Weile ein Zuhause finden. Die Schnecken haben uns während dieser Zeit nicht nur etwas über ihren Körper, ihre Lebensweise und ihre Bedürfnisse erzählt. Sie haben uns auch eingeladen, genauer hinzuschauen, geduldig zu sein und Verantwortung zu übernehmen.
Und dann kam der Abschied. In der letzten Kindergartenwoche zogen die Schnecken wieder aus. Zurück bleiben viele Entdeckungen, Fragen, Geschichten und vielleicht auch ein etwas genauerer Blick für die kleinen Dinge im Leben.
Text & Bild: R. Schaub